2014-05-30 18.54.31.jpg

Die Entwicklung der kritischen Masse

Die Critical Mass (CM) ist eine weltweit verbreitete Aktionsform, bei der Radfahrer versuchen, auf sich und ihre Probleme als Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu machen. Die CM organisiert sich dabei via Facebook & Co und fährt als Pulk durch die Stadt. Die Aktion ist legal, da es sich bei mehr als 15 Rädern um einen geschlossenen Verband von Fahrzeugen handelt, der unter Anderem dazu führt, dass die CM auf den Straßen fahren darf. Bei den Aktionen steht der Spaß am Radfahren klar im Vordergrund - die Räder werden teilweise geschmückt und Lastenräder mit Musikanlagen sorgen für einen netten Rahmen.

Ich habe mir von den empfehlenswerten Seiten 

einige Daten zur Entwicklung der CM in Deutschland und speziell in Hamburg besorgt und ein wenig ausgewertet:

 



Teilnehmer im Mai

Die Teilnehmerzahlen werden meist von der CM nahe stehenden Leuten veröffentlicht und die Polizei gibt, wie auch oft bei Demos, teils geringere Zahlen heraus. Vielleicht stimmen also nicht alle Werte aber die Größenordnung und regionale Verteilung sollte passen.

Hamburg ist unbestritten das deutsche Zentrum der CM - im Mai knackte die hier traditionell starke Masse die 5000er Marke. 

Warum das so ist? Eine Interpretationsmöglichkeit wäre, dass es hier die Radfahrer besonders schwer haben. Hierzu würde die eher geringe Teilnehmerzahl in der Fahrradstadt Münster passen. 


Schwerpunkt Hamburg

Für die Hamburger CM gibt es ein Fahrtenarchiv. Ich habe den Datensatz mit einigen Daten zum Wetter an den jeweiligen Tagen und zur Anzahl der Facebook-Zusagen angereichert und ausgewertet.

Die Teilnehmerzahl steigt!

Dem Rekord vom Mai ging eine klare Entwicklung voraus. Natürlich schwanken die Teilnehmerzahlen je nach Jahreszeit aber schon die CMs im März und April lagen deutlich über den Vorjahreswerten. Der letztes Jahr im August erzielte Maximalwert von 3252 Rädern wurde 2014 bereits im April fast erreicht. 

 

... ist aber wetterabhängig

Obwohl die Hamburger wettertechnisch einiges gewöhnt sind, haben Regen und Temperaturen natürlich einen Einfluss auf die Teilnehmerzahlen: In der Grafik ist der Trend zu mehr Teilnehmern bei höheren Temperaturen gut zu erkennen.

Dennoch hatte die CM auch bei Minustemperaturen häufig mehrere hundert Teilnehmer - ein harter Kern, dem die Kälte wenig auszumachen scheint.

Einen stärkeren Einfluss hat der Niederschlag: Bei den beiden CMs an deutlichen Regentagen sanken die Teilnehmerzahlen auf unter 200 Personen.

 

Wie geht es weiter?

Die Hamburger CM ist wohl auch deshalb so erfolgreich, weil sie einen Eventcharakter hat und auch Menschen, die keine Radaktivisten sind, inkludiert.

Die Mobilisierung der Teilnehmer erfolgt primär über Mund zu Mund Propaganda und die sozialen Netzwerke. Dass diese durchaus einen Einfluss haben, sieht man an der nebenstehenden Grafik, die die Anzahl der Facebook-Zusagen mit der Anzahl der tatsächlichen Teilnehmer vergleicht (Achtung: 2 unterschiedliche Achsen!).

Es bleibt abzuwarten, wie lang der Trend zu mehr Teilnehmern noch anhalten wird. Ich persönlich denke, dass es schon einen Erfolg für den Hamburger Radverkehr bedeutet, wenn die Zahl dauerhaft über 2000 Fahrer liegt.